Re: Amok für den Don (und andere Trottel)

Möchte aus gegebenem Anlass auf zwei wahllos und zwei weniger wahllos herausgepickte Fälle von Amokläufen aus der näheren Vergangenheit hinweisen. Zwei Männer, die mit Samuraischwertern um sich schlugen; zwei Männer, die mit Schusswaffen zugange waren.

03.04.2005 — Ein Tamile stürmt eine Kirche in Stuttgart. Eine Tote, mehrere Schwerverletzte, dauerhafte Einweisung in Psychiatrie.

15.09.2003 — Ein junger Mann richtet in einem Versandhaus in Pforzheim ein Blutbad an. Eine Tote, mehrere Schwerverletzte, lebenslänglich.

27.10.2001 — Ein Mann stürmt das Zuger Kantonsparlament (CH), tötet 14 Politiker und schließlich sich selbst.

19.02.1997 — Ein Neonazi schießt mit einer Pumpgun auf einen Buchhändler und tötet während des Fluchtversuches einen Polizisten. Lebenslänglich.

Ach, scheiß drauf, nehmen wir als Grenzerfahrung auch noch Reichenhall 1999, damit die Hirnlosen was zum Korinthenkacken haben.

Den Chinesen aus dem Greyhound-Bus lassen wir einfach mal nicht gelten, der wurde ja auch freigesprochen. Darum kein Link.

Außerdem möchte ich auf einen Bericht der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle des LKA Nordrhein-Westfalen aufmerksam machen. Dieser stammt aus dem Jahre 2007 und beschäftigt sich mit »Amoktaten – Forschungsüberblick unter besonderer Beachtung jugendlicher Täter im schulischen Kontext«.

Die aktuell diskutierten School Shootings stellen dabei ein relativ neues Phänomen dar. Robertz (2004) berichtet für den Zeitraum vom ersten dokumentierten Vorfall 1974 in Olean im US-amerikanischen Bundesstaat New York bis Ende 2002 insgesamt 75 Fälle weltweit, wobei 62 in den USA, vier in Deutschland, vier in Kanada und fünf in anderen Ländern stattfanden. Innerhalb dieser knapp drei Jahrzehnte hat das jährliche Fallaufkommen erheblich zugenommen: Während noch zu Beginn der 1990er Jahre in einem Zeitraum von drei Jahren insgesamt sechs Taten geschahen, wurden für den entsprechenden Zeitraum Anfang des neuen Jahrtausends (2000 bis 2002) insgesamt 23 Vorfälle verzeichnet.

[...]

Es ist ein kultur- und epochenübergreifender Befund, dass Amoktaten in der absoluten Mehrzahl durch Jungen bzw. junge Männer begangen werden. Robertz nennt für die von ihm analysierten 75 weltweiten School Shootings einen Anteil von 95% männlicher Täter. Die wenigen Fälle mit Täterinnen erscheinen auch hinsichtlich der Tatbegehung eher speziell.

Bei den wenigen bekannt gewordenen Fällen versuchten die Täterinnen, die direkte Konfrontation mit den Opfern zu vermeiden, vor allem durch Distanzschüsse aus einem Versteck heraus (sog. Sniper-Taten). Beispielhaft ist die Tat der 16-jährigen Brenda S. in San Diego, Kalifornien/USA, die 1979 aus ihrem Schlafzimmerfenster heraus mit einem halbautomatischen Gewehr auf die Schüler und Lehrer einer Grundschule schoss (2 Tote, 10 Verletzte). Ihre Begründung, dass sie die langweiligen Montage einfach nicht leiden könne, erlangte durch das Lied „I Don’t Like Mondays“ von den Boomtown Rats weltweite Bekanntheit.

Interessant sind auch die ab Seite 15 genannten Präventionsmaßnahmen, die neben der Kontrolle »bestimmter Gewaltdarstellungen« vor allem auf die Vermeidung von Nachahmungstaten abheben. Stichwort Berichterstattung in den Medien.

In diesem Sinne…

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