Wie oft musste ich mir in den vergangenen Monaten wohl anhören, dass Kleinkinder, die in einer Kinderkrippe betreut werden, vor allem einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber »daheimgebliebenen« hätten:
Sie lernen viel besser, mit anderen Kindern umzugehen. Stichwort Sozialverhalten, Spielzeug teilen… der Kontakt mit anderen Kindern ist sooooo wichtig.
Ich möchte hiermit ganz energisch widersprechen.
Meine Erfahrungen auf den Spielplätzen in unserer näheren Umgebung sind nämlich folgende: Kinder, die von ihren Eltern in die Sandkisten gesetzt werden, spielen zuerst für sich, dann nähern sie sich anderen Kindern an, deren Spielzeug, es kommt von Zeit zu Zeit zum Streit, doch mindestens ebenso oft spielen die »Elternkinder« (sic) dann mit- oder zumindest nebeneinander.
Befindet sich eine Krippen-Gruppe auf dem Spielplatz, so spielen die ihr zugehörigen Kinder durchaus schneller und intensiver miteinander; es gibt weniger Anfangsstreitereien um dieses oder jenes Schäufelchen, Gerätschaften werden gemeinsam aufgesucht, und es gibt diese niedliche Szenen zu beobachten, wie größere Kinder kleinere an die Hand nehmen usw.
Sooooo süß.
Dutzidutzi.
Nach außen verhalten sich diese Gruppen jedoch wie elitäre Clubs, ohne Zugangsmöglichkeit für Fremde. Während einzelne Kinder ihr Spielzeug teilen, wirft sich der Krippen-Mob geschlossen und mit freudiger Unterstützung der Anstaltsleitung auf jeden Eindringling, der es wagt, Kontakt aufzunehmen. Ganz pädagogisch eben: Gebiet verteidigen, Gruppenzugehörigkeit erkennen lassen, uhm… ausgrenzen.
Es ist absolut erschreckend zu sehen, wie dieses Verhalten nicht nur gegenüber einzelnen Kindern, sondern auch gegenüber anderen Krippen-Gruppen kultiviert wird. Von »besser mit anderen Kindern umgehen« kann überhaupt keine Rede sein — die Kleinen kommen lediglich mit denjenigen gut klar, die sie bereits kennen, weil sie sie nunmal jeden Tag sehen. Alle anderen sind unliebsame Störenfriede.
Besonders traurig wird das ganze, sobald ein oder zwei einzelne Kinder von zwei oder drei Krippen-Grupen letztlich zum Verlassen des Spielplatzes genötigt werden, weil sie a) nicht mitspielen dürfen, b) nicht an die Geräte kommen (es wird für die Kollegen freigeblockt) oder c) schlicht und ergreifend über den Haufen gerannt oder ihrer eigenen Spielsachen »beraubt« (hehe) werden.
Erdreistet man sich als Vater eines solchen Kindes dann noch, einen dieser ach-so sozialisierten Rabauken zurückzupfeifen, um z.B. seinen Sohn vor weiteren Schaufelschlägen zu schützen, erntet man nichts als wütende Erzieherblicke, die vermutlich so viel sagen sollen wie: »Das einsame Einzelkind da kann aber auch gar nix ab.«
YMMV
Das bessere Sozialverhalten dank Krippen-Besuch ist in meinen Augen ein Mythos, den es weiter zu untersuchen und gegebenenfalls zu bekämpfen gilt. Mein Eindruck nach etlichen Wochen Spielplatzbesuch ist jedenfalls der, dass zwar durchaus guter Umgang innerhalb der jeweils bestehenden Gruppe erlernt wird, nicht jedoch ein grundsätzlich guter Umgang mit »anderen Kindern«.
Tatsächlich beobachte ich hammerharte, teilweise bedrückende Ausgrenzung von Seiten der Krippen-Gruppen, während einzelne Kinder viel aufgeschlossener auf andere zugehen, viel eher bereit sind, ihre Spielsachen zu teilen, und sich — ungezwungen und wie selbstverständlich — zu spontanen Kleingruppen zusammenschließen, die die oben erwähnten Ausgrenzungmethoden nicht kennen.
Nix gegen Krippen und Kitas und so, nur damit das auch klar ist.
Aber labert mich nicht voll mit diesem Schwachsinn von wegen Krippen und Sozialverhalten.
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PS: Meine Beobachtungen beziehen sich nicht ausschließlich auf meinen eigenen Sohn. Sie sind natürlich ebensowenig repräsentativ; keine Ahnung, wie gut Krippenkinder aus Wilhelmsburg mit anderen Kindern umgehen…




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